„Sparen am falschen Fleck reißt Lücken in die Versorgung!“: Diakonie protestiert gegen geplante Einschnitte in der Pflege
30.07.26
Wer derzeit an den sieben Altenpflegeheimen des Diakonie-Verbunds in der Region vorbeikommt, wird sich vielleicht ein wenig wundern: Vor den Häusern stehen Betten! Was es damit auf sich hat, erklärt ein Plakat mit der Aufschrift: „Dieses leere Pflegebett wird präsentiert von der Pflegereform des Bundes“. Im gleichen auffälligen Grün gibt es auf den Straßen im Landkreis aktuell einen weiteren Hingucker: Auf den rund 100 PKW der Diakonie-Pflegedienste prangen Aufkleber mit dem Text „Dieses Auto fährt nicht mehr, wenn die Pflegereform des Bundes kommt.“

Die Idee dafür stammt aus Thüringen, wo die Liga der Freien Wohlfahrtspflege e. V. eine öffentlichkeitswirksame Protestaktion ins Leben gerufen hat. Als Kathrin Beyer davon hörte, war ihr schnell klar: Hier müssen wir mitmachen! Sie leitet bei der Diakonie Leipziger Land den Bereich Altenhilfe mit besagten sieben Heimen, dazu drei Sozialstationen, drei Tagesbetreuungen, Pflegeberatung und Hospizdienst. Als Frau vom Fach weiß sie genau, wo der Schuh drückt und dass sich dringend etwas ändern muss, um das ganze System fit zu machen für die Wucht des demografischen Wandels. „Aber doch nicht so!“, sagt sie und kritisiert scharf den Entwurf für das Pflegeneuordnungsgesetz, der ihr Sorgenfalten auf die Stirn treibt.
Wenn alles so kommt, wie geplant, bedeutet das vereinfacht gesagt unter anderem: Die jetzt schon enormen Eigenanteile für einen Heimplatz werden weiter steigen, Angehörige müssen mehr Care Arbeit leisten, Beratung sowie Pflegekurse werden reduziert, Personal wird noch knapper und Sozialstationen können ihre Fahrten zu Hilfsbedürftigen nicht mehr sicherstellen. „Das macht Pflege nicht verlässlicher oder zukunftstauglich, sondern reißt vielmehr Lücken in die Versorgung“, so Kathrin Beyer.

Dennis Riegel, der das Altenpflegeheim „Charlotte Winkler“ in Naunhof leitet, unterstützt die Protestaktion deshalb von ganzem Herzen. Das leere Pflegebett steht hier unmittelbar an der Straße und wurde schon mehrfach fotografiert. Menschen aus der Nachbarschaft und Angehörige fragen interessiert nach – und sind meist voller Verständnis, wenn sie die Hintergründe der Aktion erfahren. „Es betrifft ja nicht nur die Pflegebedürftigen unmittelbar, sondern auch die Menschen, die sie betreuen.“
Mit der Reform klarzukommen, wäre für das „Charlotte Winkler“ eine riesige Herausforderung. Für „seine“ Bewohnerinnen und Bewohner, die ihm so am Herzen liegen, wird er in jedem Fall alles in seiner Macht Stehende tun. Dazu gehört aktuell eben u. a. die Beteiligung am Protest gegen die Pflegereform.
Auch Susan Naundorf, die Leiterin der Sozialstation Muldental-Grimma, sieht die geplanten Neuregelungen sehr kritisch. „Schon jetzt knapsen Pflegebedürftige und Angehörige an dringend benötigten Leistungen, weil sie es sich einfach nicht leisten können“. „Sparen an der falschen Stelle“ sei das. „Die Reform tut der Pflege nichts Gutes.“
Mehr Informationen: www.deutscher-pflegerat.de


