Dank Schulsozialarbeiter spielerisch die Welt der Justiz erkunden: Grimmaer Grundschulen besuchten Gericht
06.05.26

Können Kinder jemanden anzeigen? Müssen Richter eigentlich immer eine Robe tragen? Wie oft wird der Notfallknopf gedrückt? Und was ist die höchste Strafe? – Als die Kinder Fragen stellen dürfen, schnellen die Arme nach oben und es sprudelt nur so aus ihnen heraus. In einem richtigen Gerichtssaal sitzt man schließlich nicht alle Tage. Zudem sind die Umstände ausgesprochen positiv: Die Verhandlung wird ein Rollenspiel mit viel Spaß und großem Lerneffekt, Amtsanwältin Katja Seidel ist ausgesprochen freundlich, erzählt spannende Geschichten und verteilt am Ende Bastelhefte sowie Süßigkeiten. Vorher lässt sie die kleinen Gäste noch in ihren schwarzen „Superhelden-Umhang“ – wie sie es nennt – schlüpfen.
Den besonderen Besuch im Amtsgericht Grimma verdanken die Mädchen und Jungen aus der Grundschule „Wilhelm Ostwald“ in Grimma-Süd ihrem Schulsozialarbeiter André Engelhardt von der Diakonie Leipziger Land und Hortleiterin Kathleen Beier, die der Streithilfegruppe einen Einblick in die Welt der Justiz ermöglichen wollten. Gemeinsam mit der Grundschule „Bücherwurm“ hat André Engelhardt diesen langgehegten Plan nun in die Tat umgesetzt.
Und das hat sich wirklich gelohnt. Nachdem die Kinder schon einen anstrengenden Schultag hinter sich haben, sitzen sie eine weitere, ganze Stunde lang sehr aufmerksam im Amtsgericht. Niemand stört oder wirkt gelangweilt. Katja Seidel erzählt auf kindgerechte Art von ihrer hochinteressanten Arbeit. Zuletzt hat sie Fahrerflucht, Diebstahl und Betrug verhandelt. Im Zeugenstand zu lügen, kann mit mindestens drei Monaten Gefängnis bestraft werden und ohne die Zustimmung der Schöffinnen oder Schöffen gibt es kein Urteil. Die Amtsanwältin verteilt die Rollen im Gerichtssaal, indem sie den Kindern Fragen stellt: „Wer will immer Recht haben?“, „Wer hört gern aufmerksam zu?“, „Wer beobachtet gern?“, „Wer hat schon mal seine kleine Schwester oder seinen kleinen Bruder gehauen?“ Schnell haben sich daraufhin eine Richterin, die Protokollantin sowie ein „Angeklagter“ gefunden. Auch die anderen Plätze sind schnell besetzt und die Verhandlung kann beginnen. Und wer weiß, vielleicht wurde der eine oder andere Berufswunsch genau hier geweckt. „Richterin“ Valentina kann sich jedenfalls gut vorstellen, später mal als solche zu arbeiten. Nicht jeder Fall muss freilich die Justiz beschäftigen, manchmal kann man sich auch ohne diese einigen. Das wissen sie als ausgebildete Streithelferinnen und -helfer ganz genau.


