Fachkräfteaustausch: „Etwas Gutes in Gang gebracht“ – Israelis besuchten die Diakonie Leipziger Land

19.05.26 

Praktisch bis kurz vor dem Abflug war unsicher, ob sie wirklich kommen. Zehn Sozialarbeiter, Lehrerinnen, Therapeuten und Erzieherinnen aus Israel, wo die Lage verkürzt gesagt ziemlich angespannt ist, wollten neulich im Rahmen eines Fachkräfteaustauschs eine Woche in Grimma und Umgebung verbringen. Als es am Ende tatsächlich grünes Licht für die Reise gab, waren Erleichterung und Vorfreude bei der Diakonie Leipziger Land groß. Hier hatten vor allem der Geistliche Leiter Tobias Jahn und Kirchenbezirkssozialarbeiterin Silke Polster eine intensive Woche, gut gefüllt mit Begegnungen, Überraschungen, Gesprächen und Eindrücken vorbereitet.

Gruppe auf der Hängebrücke an der Mulde in Grimma

„Nach dem entsetzlichen Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 war es für uns keine Option, gar nichts zu machen“, erzählte Silke Polster. Also habe man entschieden zu beten und zu sehen, was Gott tut. Und es passierte eine ganze Menge: Zum Beispiel wurden israelische Kinder und Jugendliche für eine schöne Ferienwoche nach Grimma geholt, von der sie noch heute begeistert erzählen. Und nach ersten Vorbereitungstreffen, Seminaren, akribischer Planung und Absprachen kam nun der Fachkräfteaustausch in Gang.

Gruppe von Menschen beim gemeinsamen Kochen

Auf dem Programm standen Exkursionen in Einrichtungen und Projekte der Diakonie Leipziger Land, also u. a. Kindergärten, Wohngruppen und Schulsozialarbeit. Wie funktioniert das Bildungssystem in Deutschland? Wie sind die Kindergärten ausgestattet? Wie können wir – in einer nächsten Stufe – einen Schüleraustausch oder die Möglichkeit für internationale Freiwilligendienste starten? Diese und viele andere Fragen wurden bewegt und haben Gutes in Gang gebracht. Dazu kamen eine Schabbat-Feier mit Grimmas Oberbürgermeister Tino Kießig und Landrat Henry Graichen sowie natürlich Fahrten nach Dresden und Leipzig mit Sigthseeing inkl. Landtagsbesuch, Kultur und Shopping. Es wurde gemeinsam gekocht, gegessen und gelacht.

Beim „Walk and Talk“ entsponnen sich tief gehende Gespräche, zum Beispiel zwischen Schulsozialarbeiter Andre Engelhardt und Shir. Beide ließen sich gegen das Vergessen den Arm tätowieren: Sie die Häftlingsnummer ihres Großvaters, der das KZ Auschwitz überlebt hat, gemeinsam mit einem Vogelschwarm und stilisierten Herzschlag als Zeichen für Hoffnung und Leben. Er einen Davidstern als seinen „persönlichen Stolperstein“. Eindrücklich auch der Besuch in der Jungen Gemeinde Wurzen, die den Bestseller „Sie waren neun“ übersetzt und in Eigenregie veröffentlicht hat. 

 

Mann und Frau zeigen ihr Tattoo auf dem Arm

Deren bemerkenswerte Recherchen über jüdische Familien aus Wurzen – so das Fazit der israelischen Gäste – gehörten in die internationale Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. „Viele waren angespannt und in Habachtstellung, vor allem, wenn sie Kinder in der Armee haben“, beobachtete Tobias Jahn. Vorübergehend konnten sie wohl trotzdem die hiesige Idylle etwas genießen, wo die einzigen Geräusche im Wald Vogelgezwitscher und das Plätschern der Mulde waren. „Es tut so gut, hier mal andere Geräusche zu hören als zu Hause, wo der Krieg sehr nah ist mit Bombeneinschlägen und Alarm“, hieß es. Wohltuend sei es zudem, „good vibes about israel“ zu spüren, erklärte Maya.

Gruppe von Menschen am Aussichtspunkt Rabenstein an der Mulde

Neben dem guten Gefühl, willkommen zu sein, nehmen sie und die anderen viele Fotos, Anregungen und Eindrücke mit. „Ich möchte Euch von ganzem Herzen für eine außergewöhnliche und bereichernde Woche danken, für Eure Gastfreundschaft, Eure Liebe zum Detail und die herzliche Atmosphäre, für Eure Großzügigkeit, Euer Engagement und gütiges Herz“, schrieb Liraz, inzwischen wieder zurück in der Heimat. Sie hoffe sehr, „dass sich unsere Wege in Zukunft wieder kreuzen werden“. Dies ist im Oktober mit einem Gegenbesuch von deutschen Fachkräften der Diakonie Leipziger Land fest eingeplant.

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