„Dem Tod von der Schippe springen“ und Gutes tun: Hospizhelferin und Lebenskünstlerin vom Bundespräsidenten empfangen
Die Einladung kam von Frank-Walter Steinmeier persönlich: Der Bundespräsident und seine Frau baten Kerstin Rothenberger zum Bürgerfest in den Park der Villa Hammerschmidt! „Ich war völlig überrascht und habe mich riesig gefreut“, erzählt sie. Ihr erste Gedanke sei „Danke!“ gewesen, gefolgt von: „Was ziehe ich an?“. Mit Mann und Wohnmobil reiste sie nach Bonn und erlebte einen unvergesslichen Tag mit rund 2.000 weiteren verdienten Freiwilligen, mit Musik, Tanz, Podiumsdiskussionen, japanischem Essen und großer Wertschätzung für das Ehrenamt.

Bei der Diakonie Leipziger Land füllt sie seit 13 Jahren ein solches mit viel Herzblut im Ambulanten Hospizdienst aus. Nach einer Krebserkrankung, wo sie dem „Tod von der Schippe gesprungen“ sei, hatte sie den Impuls: „Was habe ich für ein Glück, dass ich weiterleben darf!“ Sie wollte etwas zurückgeben, Gutes tun und das erneut geschenkte Leben weise füllen. Als sie vom Hospizdienst hörte, wusste sie sofort: Das ist es!
Nach unzähligen Begleitungen hat sich dies immer wieder bestätigt. Ihr Dienst ist oft still und besteht aus vielen kleineren oder größeren Gesten, offenen Ohren und freundlichen Blicken. Mit ihrer zugewandten Art findet die Lebenskünstlerin schnell einen Draht zu den Menschen und erinnert sich z. B. an einen schwerkranken Mann, von dem sie wusste, dass er ein Segelboot hatte. Kerstin Rothenberger packte ein paar Seile ein und es entspannen sich wunderbare Gespräche über Luv und Lee, Schleusen und Knoten. Manchmal geht es den Betreuten so schlecht, dass sie nur eine Geschichte – von ihr selbst geschrieben – vorlesen kann. Sie sitzt z. T. auch nachts am Bett, schlichtet Streit mit Angehörigen oder hilft bei der Erstellung von Nottestamenten.

Und mitunter fährt sie auch mit dem Elektromobil durch die Gegend. So geschehen bei einer Frau mit Rollstuhl und Sauerstoffgerät, die sich in ihrer Wohnung ziemlich gefangen fühlte. Zu zweit sind sie schließlich mit den Vehikeln über den Trödelmarkt gebummelt, haben Sonne und Kaffee genossen. Gern bringt die 61-Jährige Leben, Freude, Licht und Farbe zu Menschen, die sich auf die letzte Wegstrecke begeben haben. Und Trost und Hoffnung. Dies findet sie zunehmend auch im christlichen Glauben, den sie in den letzten Jahren immer mehr für sich entdeckt hat. Und deshalb hat sie ihren Einsatzkoffer, in dem sich u. a. bunte Tücher, ein Liederbuch, Rätselgeschichten und Fühlsäckchen befinden, um eine Bibel und ein kleines Holz-Kreuz erweitert.
Dass sich ihr überragendes Engagement jetzt sogar bis zum Bundespräsidenten „herumgesprochen hat“ – darüber ist man beim Hospizdienst natürlich hocherfreut. „Kerstin Rothenberger zählt im Team unserer 50 Ehrenamtlichen zu denen, die am längsten dabei sind“, erklärt die stellvertretende leitende Koordinatorin Sandy Lorenz. „Ihr Einsatz ist außergewöhnlich und wirklich ein Geschenk. Sie hat diese Ehrung voll und ganz verdient!“
Im Rahmen des Ambulanten Hospizdiensts der Diakonie Leipziger Land besuchen geschulte Ehrenamtliche Schwerkranke, Sterbende und ihre Angehörigen zu Hause, in Altenpflegeheimen, in Kliniken und nach Klinikaufenthalten. Der Dienst ist kostenfrei und offen für alle. Kontakt




