Kochen, Rechnen und Umgangsformen in der Küche lernen: WaldWerkStatt+ baut Hauswirtschaftszweig aus

11.04.19

Es ist angerichtet: Auf dem Tresen stehen Salat mit Jogurt-Dressing und frischen Kräutern, Königsberger Klopse und Kartoffeln – alles selbst zubereitet vom Hauswirtschaftszweig der WaldWerkStatt+. Das Jugendberufshilfeprojekt der Diakonie Leipziger Land für Jugendliche ohne Lehrstelle, Schulabschluss und Arbeitsplatz trifft sich neuerdings öfter zum Kochen.

Planen, Speisekarte schreiben, kalkulieren, einkaufen und das Budget im Auge behalten – alles, was zum Kochen gehört, ist auch Teil des Projekts im  Kinder- und Jugendhaus „Come In“ Grimma, welches in der Regel erst nachmittags bevölkert wird. „Die Jugendlichen sollen lernen, Dinge selbst zu tun und in ihren Alltag zu übernehmen“, sagt Fachanleiterin Susann Gotter-Florenz, die bei der WaldWerkStatt+ schon seit vielen Jahren Stützunterricht gibt. Mathe und Deutsch trainieren sie beim Kochen und Planen sehr lebensnah. Manche machen zum ersten Mal eine Tomatensauce selbst. „Sie stellen fest, dass es wirklich besser schmeckt als Fertiggerichte“, erzählt die Fachanleiterin, die immer wieder mal die Ernährungspyramide ins Spiel bringt und Gesundes wie frische Salate oder Möhreneintopf anregt. Jenseits aller Moden und Trends ist für sie das Wichtigste, dass man selbst kocht und dies zusammen macht.

Für Steve ist das Projekt genau das Richtige. Kochen sei für ihn Hobby und Leidenschaft. Das glaubt man ihm sofort, wenn man sieht, mit welcher Hingabe er sich um die Mehlschwitze kümmert. Sein Ziel ist eine Lehre in der Küche. Die Zeit in der WaldWerkStatt+ sei eine gute Vorbereitung: „Man kann viel lernen, über Probleme reden und mit Terminen oder Ämtersachen gibt es Hilfe“, sagt er. Die Teilnehmer des hauswirtschaftlichen Zweigs sind neuerdings öfter im „Come In“. „Früher waren sie mehr in den Küchen von Diakonie-Kitas und -Heimen“, sagt Projektleiterin Nicole Möller, „aber so von null direkt in den Betrieb an die Basis – das ist für viele schwierig“. Im „Come In“ bekommen sie einen geschützteren Rahmen und ein ruhigeres Tempo.

Nebenbei trainieren die Jugendlichen auch Dinge wie Pünktlichkeit, Sauberkeit und Umgangsformen. „Erst bekommen die Gäste“, erinnert Susann Gotter-Florenz, „und dann essen wir gemeinsam“. Zusammen am Tisch sitzen – eine Jugendliche sagt, das hätte es bei ihr zu Hause nie gegeben. Aber mit ihrem kleinen Sohn will sie es anders machen.

Waldwerkstatt kocht