„Schön, dass er da ist“: Altenpflegeheim bekommt Verstärkung aus anderen Ländern

08.04.19

Im Diakonie-Altenpflegeheim „Hedwig Bergsträßer“ Grimma geht es gerade sehr international zu. Derzeit arbeiten hier zwei französische Schwesterschülerinnen, ein polnischer Pfleger – und ein Syrer namens Baraa. Der junge Mann mit den auffallend guten Umgangsformen ist sehr beliebt im Haus. Er hält anderen die Tür auf, ist immer freundlich und geduldig. „Ich mag ihn sehr“, sagt Bewohnerin Edeltraud Scheller, „es ist schön, dass er da ist“.

Baraa möchte Arzt werden. Da er ohne Papiere nach Deutschland kam, wurde ihm nur eine Art Hauptschulabschluss anerkannt. Jetzt arbeitet er sich vor: Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer und kommt für seine praktischen Einsätze nach Grimma. Das nächste Etappenziel ist dann der Realschulabschluss. Schritt für Schritt will er sich vorarbeiten zu seinem großen Ziel. „Ich sehe ihn als Arzt“, sagt Heimleiterin Antje Huth, „das schafft er“.

Sie erinnert sich noch gut daran, wie er im letzten Sommer auf einmal in ihrem Büro stand und nach Arbeit fragte. „Mir hat imponiert, wie gut er deutsch konnte und wie eifrig er war“, sagt Antje Huth. Sie unterstützt ihn bis heute bei seinen Behördengängen und hieß ihn mit ihrem Team herzlich willkommen. „Ich möchte mich sehr bedanken für die Hilfe“, sagt Baraa, der sich im „Hedwig Bergsträßer“ sehr wohl fühlt, „ich kann hier etwas Gutes tun und für andere da sein, gleichzeitig arbeiten und lernen“. Altenpflegeheime gebe es übrigens in Syrien auch, betont Baraa, der 11 Geschwister hat. Generell habe die Familie – wie auch das Kümmern um betagte Angehörige – in seiner Heimat einen sehr hohen Stellenwert

Dass er bei der Diakonie arbeitet, ist für den jungen Araber kein Problem, im Gegenteil. Es gab im Vorfeld Gespräche über die Gepflogenheiten im Heim, das christliche Profil des Trägers, das biblische Menschenbild, den Umgang mit Frauen und anderes. Auch Tobias Jahn, der Geistliche Leiter der Diakonie Leipziger Land, sprach mit dem 22-jährigen. Schnell stellte sich heraus, dass es für den Träger ebenfalls passte. „Es geht um Menschlichkeit“, betont Baraa. Beim Gottesdienst, mit dem die Diakonie ihre neuen Mitarbeiter begrüßt, war er dabei.

Syrer im Altenpflegeheim