Raum zum Reden, für leuchtende Augen und Freizeit mit Sinn: Neues Gesicht im Jugendbüro Groitzsch-Pegau

26.06.2020

Steffen Meißner hatte einen ungewöhnlichen Start im Jugendbüro Groitzsch-Pegau. Der neue Ansprechpartner bekam zum 1. April die Schlüssel für die Räume und sperrte dort erst einmal – zu. Wegen der Coronavirus-Pandemie musste das Jugendbüro – eine Einrichtung der Diakonie Leipziger Land – wochenlang geschlossen bleiben. Dabei wollte Steffen Meißner doch so gern richtig loslegen. Auf der Tagesordnung standen stattdessen vorerst Videokonferenzen mit Netzwerkpartnern und Kollegen sowie Schreibtischarbeiten wie Projektanträge und Hygienekonzepte. Dank Letzterer müssen sich die Besucher in Listen eintragen, Mundschutz tragen und Desinfektionsmittel benutzen. Aber das Jugendbüro durfte nun endlich öffnen. „Zuallererst möchte ich die Kinder, Jugendlichen und ihre Eltern kennenlernen sowie Vertrauen aufbauen“, sagt Steffen Meißner, der mit seiner offenen, sympathischen Art ganz schnell das Eis bricht. „Ich liege mit Kindern und Jugendlichen auf einer Wellenlänge“, sagt er und das nimmt man ihm sofort ab.

Jugendhaus-Mitarbeiter vor Grafitti-Wand

Im Jugendbüro finden Heranwachsende mit Schulproblemen, Liebeskummer, Geldsorgen oder zu viel freier Zeit Beratung, Unterstützung und ein offenes Ohr. Steffen Meißner bietet Ferienprojekte, Hausaufgabenhilfe, Kreatives, Ausflüge und vieles andere mehr an. Der 43-Jährige will sich da allerdings gar nicht so genau festlegen, sondern lieber offen für vieles sein und mit seinen Besuchern zusammen Ideen entwickeln. So wie neulich beim spontanen gemeinsamen Kuchenbacken. Dabei entspannen sich ganz ungezwungen Gespräche über Magersucht, welche Regeln im Jugendbüro gelten sollen und wie man die Räume gestalten könnte. Und es entstand eine Idee für ein neues Projekt: eine Kochwerkstatt u. a. mit Gerichten aus den Herkunftsländern der Kinder, von denen ca. die Hälfte Migrationshintergrund hat. Willkommen sind im Jugendbüro grundsätzlich alle Interessierten im Alter von ca. 6 bis 27 Jahren, die mitmachen, etwas gestalten und verändern wollen. Steffen Meißner möchte Jugendlichen Freizeitgestaltung mit Sinn und einen geschützten Raum zum Reden bieten. Er wünscht sich, dass sie Sozialkompetenz entwickeln, Dinge hinterfragen, die eigenen Stärken entdecken und Selbstvertrauen aufbauen, so dass die Augen leuchten, weil sie so stolz auf das sind, was sie eigenhändig kreiert haben.

Der Leipziger war viele Jahre Versicherungsfachwirt bei einer Bank. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Wunsch nach Veränderung: Ihm war es immer wichtig, mit viel Empathie den Menschen als Ganzes in den Blick zu nehmen und Zeit für echte Beratung zu haben. Also orientierte er sich nochmal um und begann ein Sozialpädagogik-Studium. Seine erste Station im neuen Berufsfeld war ein Jugendhaus in Bad Düben. Auf der Suche nach einem Job mit familienfreundlicheren Arbeitszeiten stieß er auf die Ausschreibung der Diakonie. Bei seinem neuen Arbeitgeber mit seiner Größe und seinem Engagement für die Mitarbeiter sowie den gelebten Werten stimme einfach „die Basis für die Zukunft“, sagt Steffen Meißner. Denn er möchte langfristig bleiben.