„Erste Hilfe für die Seele“ mit neuer Koordinatorin: Birgit Stemmler löst Susann Lawrenz-Wuttke an der Spitze der Notfallseelsorge ab

19.01.21

Bei der Notfallseelsorge/Krisenintervention gibt es einen Wechsel an der Spitze. Seit Beginn dieses Jahres koordiniert Birgit Stemmler die Einsätze. Sie löst damit Susann Lawrenz-Wuttke ab, die fast 20 Jahre bei der Notfallseelsorge – einem Projekt der Diakonie Leipziger Land – die Fäden in der Hand hielt. Der neuen Koordinatorin Birgit Stemmler ist das Metier gut vertraut. Seit viereinhalb Jahren ist sie selbst mit Leib und Seele als Freiwillige dabei. „Ich wollte einfach etwas Gutes tun“, erzählt die Vollstreckungsbedienstete. Von Berufs wegen müsse sie ja den Menschen eher „etwas nehmen“. Als Notfallseelsorgerin habe sie nun eine Möglichkeit gefunden, ihnen auch etwas zu geben. Mehr als 30 Mal war sie bisher im Einsatz. Sie begleitete dabei Polizisten, als diese ein Elternpaar über den Unfalltod ihres Sohnes informierten, bei Bombendrohungen, Suiziden und anderen Katastrophen. Birgit Stemmler ist dann für die Angehörigen oder Betroffenen da, fängt den schlimmsten Schmerz auf und leistet „erste Hilfe für die Seele“.

Koordinatorin der Notfallseelsorge mit Einsatzweste und Trösteteddy

Ein einfaches Ehrenamt sei das nicht gerade, aber sie habe es „nie und nimmer bereut“, sagt die 53-Jährige. „Es kommt so viel Gutes zurück.“ Manchmal in Form eines Lächelns am Ende des Gesprächs – von Menschen, die gerade den schwersten Schock ihres Lebens durchleiden und ihr so signalisieren, wie dankbar sie sind, dass jemand die Last mitträgt. Bei ihren Einsätzen hat sich die Naunhoferin immer gut unterstützt gefühlt: von einem „klasse Team“, bei dem oft schon ein Blickkontakt zur Verständigung genügt. „Ich bin über mich hinausgewachsen“, erzählt Birgit Stemmler. Dass sie jetzt die Aufgabe ihrer Vorgängerin übernimmt, sei für sie „eine Ehre“.

Als neue Koordinatorin wird sie unter anderem Einsätze leiten, Fallbesprechungen und Lehrgänge koordinieren sowie Kontakt zu Polizei und Feuerwehr halten. Susann Lawrenz-Wuttke, die das Koordinatoren-Amt abgibt, um ganz für ihren mehrfach behinderten, jüngsten Sohn da sein zu können, hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Bei Birgit Stemmler mit ihrem Herz, ihrer Offenheit und Kompetenz sowie dem gesamten Team weiß sie die Notfallseelsorge in guten Händen: „Es wird gut weitergehen.“ Für ihren Einsatz ist Fachbereichsleiter Tobias Jahn sehr dankbar: „Sie hat das Projekt ganz maßgeblich aufgebaut, mit enormem Engagement vorangebracht und wird uns fehlen.“ Der neuen Koordinatorin wünscht er Gottes Segen und einen guten Start.

Die Notfallseelsorge wird derzeit von 33 Ehrenamtlichen getragen. Im letzten Jahr wurden diese von der Rettungsleitstelle zu ca. 70 Einsätzen gerufen. Neue Ehrenamtliche werden immer gesucht.