Ein Traumberuf für das „starke Geschlecht“: Männer stellen in neuer Espenhainer Kita „Apfelbäumchen“ fast die Hälfte des Teams

19.01.2021

In Kindergärten sind Männer noch immer eine seltene Spezies: Laut sächsischem Kultusministerium gibt es in den Kitas des Freistaates rund 2750 männliche Erzieher. Auch wenn deren Anteil seit Jahren steigt, stellen sie damit derzeit nur knapp acht Prozent des Kindergarten-Personals. Ein positiver Ausreißer nach oben ist der neue Espenhainer Kindergarten „Apfelbäumchen“ der Diakonie Leipziger Land. Zum fünfköpfigen Team gehören Leiter Axel Zimmermann und Erzieher Matthias Geißler. Damit erreicht das „Apfelbäumchen“ eine Männerquote von 40 Prozent – und somit einen Traumwert im Sachsen-Vergleich.

2 Erzieher schauen aus Spielhaus

Eine große Sache machen die beiden allerdings nicht aus ihrem Mannsein in der Kita, in der wie überall derzeit nur Notbetrieb stattfinden darf. In vielem unterscheiden sich Erzieher und Erzieherinnen wohl auch nicht wirklich, denn es geht um das Kind und was es gerade braucht. Und so trösten und pusten die beiden Herren liebevoll, wenn sich einer der Kleinen den Finger gestoßen hat, ziehen Mützen über Ohren und singen Schlaflieder. „Aber in der Herangehensweise, in Auftreten und Körpersprache gibt es schon Unterschiede“, hat Axel Zimmermann erlebt. „Wenn Männer mit ruhiger, tiefer und langsamer Stimme eine Ansage machen, kommt das anders rüber.“

Beim Spielen erfüllt er das Klischee allerdings nicht: Er sei kein „Fußballmensch“. Sein Kollege Matthias Geißler dafür umso mehr. „Ich habe auch keine Scheu davor, mich schmutzig zu machen oder mal ein Insekt in die Hand zu nehmen“, erklärt er. Vorbehalte von Eltern habe er noch keine erlebt, im Gegenteil. „Es gibt ja viele Alleinerziehende oder abwesende Väter“, sagt er. „Da empfinden es viele als Bereicherung, wenn im Kindergarten eine männliche Bezugsperson da ist.“ Männer und Frauen, Mütter und Väter seien in der Erziehung wichtig.

Die beiden wünschen sich mehr männliche Erzieher insgesamt. „Am besten funktionieren doch gemischte Teams, wo sich die Geschlechter gegenseitig ergänzen“, so Axel Zimmermann. Die Gesellschaft sei hier auf dem richtigen Weg und werde offener, aber Anerkennung und Bezahlung seien große Baustellen. „Dem Beruf haftet leider oft noch das Basteltanten-Image an“, so Axel Zimmermann. Enten ausschneiden und Blumen malen gehöre natürlich auch dazu, aber Erzieher machten so viel mehr. Matthias Geißler jedenfalls hat seinen Traumberuf gefunden und geht darin auf. „Kindern etwas beibringen, ihnen die Welt zeigen, viel im Freien sein, gemeinsam etwas unternehmen, kreativ werden – das ist viel besser als ein Bürojob.“ Er wolle den Kindern dabei auch vermitteln, dass „jeder alles werden kann.“