Corona: „Wir werden das gemeinsam durchstehen“ – Interview mit dem Pflegedienstleiter unseres Naunhofer Altenpflegeheims

05.11.2020

Es kämpft an vorderster Front gegen Sars-CoV-2: Das Team des Diakonie-Altenpflegeheims „Charlotte Winkler“ in Naunhof, wo es zahlreiche Infektionen mit dem Coronavirus gibt. Wir sprachen mit dem Pflegedienstleiter Dennis Riegel über Respekt vor dem Virus, Kraftquellen und Humor in schwierigen Zeiten.

Diakonie Leipziger Land: Herr Riegel, wie läuft ein Dienst jetzt ab?

Dennis Riegel: Sofort nach Betreten des Hauses müssen sich alle desinfizieren. Die Pflegekräfte der betroffenen Wohnbereiche legen von Kopf bis Fuß Schutzkleidung an: also Kittel, FFP-2-Maske, Barett-Haube, Überschuhe, Handschuhe und Brille.

Pflegedienstleiter steht in Schutzkleidung vorm Altenpflegeheim Naunhof

Wie arbeitet es sich stundenlang in dieser Komplett-Verkleidung?

Es ist anstrengend und ziemlich warm, aber auszuhalten. Nur so haben wir den besten Schutz – für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie uns selbst.

Das Haus ist geschlossen, Besuche und Spaziergänge sind nicht möglich. Wie gehen die alten Menschen damit um?

Wer im Doppelzimmer wohnt, muntert sich oft gegenseitig auf, in den Einzelzimmern ist das schon schwieriger – gerade wenn das Wetter schön ist und man nicht rausgehen kann. Die meisten verstehen aber die Situation und sagen: Wir haben schon schwierigere Zeiten überstanden. Wir sind gut aufgehoben, haben Essen, fließendes Wasser und ein warmes Bett. Es kommen auch wieder bessere Zeiten. Das ist die Kriegsgeneration, das merkt man. Wir reden viel miteinander und erklären, warum jetzt manches anders ist.

Schwieriger ist es sicher mit an Demenz Erkrankten, die dieses Verständnis vielleicht nicht so aufbringen …

Selbst diese sind nicht unbedingt unruhiger als sonst. Wir versuchen immer, uns Zeit für ein kurzes Gespräch zu nehmen. Ein Beispiel: Die Wäsche bringt unsere Hauswirtschaft jetzt nicht mehr in die Zimmer, sondern stellt sie an der Tür des Wohnbereichs ab – als Schutz. Also verteilen wir diese in die Zimmer oder legen sie gemeinsam. Das sind vertraute Tätigkeiten, bei denen man wunderbar mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch kommen kann.

Wie reagieren die Angehörigen?

Mit ihnen sind wir im regen Austausch, das Telefon läuft gerade heiß. Wir reichen es sehr oft an ihre Lieben weiter – desinfizieren es natürlich danach jedes Mal – und finden Wege für den Austausch. Manche stehen dann unten im Park und winken, wir machen oben ein Fenster auf und mit ordentlich Sicherheitsabstand gibt es ein kurzes Gespräch, was allen guttut. Aber alle Beteiligten sehnen natürlich den Tag herbei, an dem Besuche wieder möglich sind. Mit den Angehörigen ist es ein Geben und Nehmen, wir sprechen uns gegenseitig Mut zu.

Sie sind nah dran am Virus und hatten in diesem Zusammenhang auch Todesfälle im Heim. Haben Sie Angst vor einer Ansteckung?

Wir wissen, wie man sich schützt. Angst haben wir nicht, das wäre auch kein gutes Signal an die Bewohnerinnen und Bewohner. Sagen wir es so: Wir haben Respekt davor. Wir gehen offen und ehrlich damit um und tun, was wir können. Der Umgang mit dem Tod ist uns im Altenpflegeheim ja schon immer vertraut. Aber das ist jetzt schon eine extreme und neue Situation. Die Sterbefälle im Zusammenhang Corona müssen wir erstmal verarbeiten.

Was hilft Ihnen in so einer Lage? Was sind Ihre Kraftquellen?

Da gibt es einige: zum Beispiel die Familie oder kurze Gespräche mit dem Team, der Fachbereichsleiterin oder dem Geschäftsführer. Obstkörbe und Kuchen wurden vorbeigebracht. Ein kurzes Gebet mit unserer Bewohnerin Reimute Richter ist auch sehr ermutigend. Überhaupt kommt von den alten Menschen viel Zuspruch und Humor selbst in dieser Situation. Wenn sie uns in Vollschutz mit Haube sehen, sagen sie manchmal: Sie sehen ja aus wie eine Waschfrau!

Wie ist die Stimmung im Team?

Die ist wirklich gut! Wir halten zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Manche haben ihren Urlaub abgebrochen, um auszuhelfen. Wir werden das gemeinsam bestmöglich durchstehen. Ich stehe mit Herzblut hinter unserem Haus und werde alles tun, damit wir diese Krise meistern.

Herr Riegel, wir danken Ihnen für das Gespräch, wünschen Ihnen und Ihrem Team alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen!