Altenhilfe: „Genau das Richtige für mich“ – Interview mit Pflege-Azubi Eric Rößler

29.04.2021

Altenhilfe war ursprünglich gar nicht „sein Ding“. Als Eric Rößler zum Beratungsgespräch im Jobcenter saß, hatte er eher eine Arbeit mit Kindern oder bei einer Bank im Sinn. Als er dann doch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Groitzscher Altenpflegeheim „Katharina von Bora“ startete, wollte er eigentlich nicht lange bleiben. Inzwischen lässt er sich bei der Diakonie Leipziger Land zum Pflegefachmann ausbilden und ist überzeugt, genau das Richtige zu tun.

Herr Rößler, eine Arbeit in der Pflege ist für viele nicht gerade ein Traumberuf. Was hat Sie nach anfänglicher Skepsis davon überzeugt?

Die Nähe zum Menschen. Die Atmosphäre ist familiär und persönlich, man kennt sich seit langem. Ich fühle mich hier sehr wohl und im Team begegnen wir uns auf Augenhöhe. Wenn ich zum Dienst komme, werde ich freudig begrüßt. Es gibt gute Gespräche und viel Dankbarkeit von den alten Menschen, weil sie jemand in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Viele freuen sich auch, mal ein junges – und noch dazu männliches – Gesicht zu sehen.

Grafik Pflegeausbildung

Wie war es am Anfang, als sie „frisch von der Schule“ zum FSJ kamen?

Die Umstellung auf einen 8-Stunden-Arbeitstag war ziemlich groß. Aber ich bin ein Mensch mit großem Bewegungsdrang und auch deshalb tut mir die Arbeit in der Pflege gut. Das ist besser, als im Büro zu sitzen. Ich bin sehr freundlich begrüßt worden und hatte einen angenehmen Start. Stück für Stück bin ich reingewachsen in meine neue Aufgabe.

Das FSJ war sicher sehr hilfreich für die Ausbildung, die Sie im letzten Jahr gestartet haben.

Das hat den Start definitiv vereinfacht. Ich wusste bereits vieles und war dadurch schon ein Stück weiter. Manches, zum Beispiel im Bereich Biographiearbeit, hatte ich intuitiv schon vorher angewendet. Das war eine schöne Bestätigung. Vieles ist natürlich auch neu – z. B. in Anatomie, Englisch für die Pflege oder beim Thema Krankheitsbilder und Pflegerecht. Im Altenpflegeheim habe ich eine Praxisanleiterin, mit der ich alles immer nochmal durchgehe, aber bei Fragen ist hier jeder ansprechbar.

Sie sind im ersten Jahrgang für die neue, generalistische Ausbildung und lernen dadurch im Vergleich zu früher auch die Bereiche Kranken- sowie Kinderkrankenpflege kennen. Wie haben Sie dies erlebt?

Der Start in das neue System war am Anfang ein bisschen chaotisch, aber das wird sich noch richten. In andere Bereiche reinzuschnuppern, finde ich gut. Ich bin jetzt zum Beispiel mehrere Monate für ein Praktikum in einer Klinik. Es ist interessant, hier Erfahrungen zu sammeln, mit Spritzen, Insulin u. a. Aber auf Dauer wäre das nichts für mich – die Hektik, die vielen Menschen. Im Altenpflegeheim ist es schöner.

Sie waren auch einer der Ersten, die in die neue Azubi-WG der Diakonie eingezogen sind.

Das ist echt hilfreich. Jetzt, wo ich noch nicht so mobil bin, kann ich Schule und Praktikumsplatz zu Fuß erreichen. Ich mache gerade meinen Führerschein und wenn ich den habe, werde ich in Groitzsch wohnen. Aber für den Start war die WG eine super Sache.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Ausbildung?

Ich möchte gern im „Katharina von Bora“ bleiben. Man kann sich in der Pflege auch gut fortbilden und spezialisieren. Der Spritzenschein oder die Wundpflege wären hier interessant für mich. Auf alle Fälle ist die Arbeit mit alten Menschen genau das Richtige für mich, ich bin mit Leib und Seele dabei.