„So schön, dass jemand an uns denkt“: Altenpflegeheim „Hedwig Bergsträßer“ Grimma freut sich über Grüße und Briefe

05.03.2021

Trotz schwieriger Zeiten ist im Altenpflegeheim „Hedwig Bergsträßer“ das ganze Jahr ein bisschen Weihnachten. In beiden Wohnbereichen der Grimmaer Diakonie-Einrichtung hängen nämlich Dutzende Karten mit lieben Grüßen – oft selbst gebastelt oder in 3-D-Form, mit Zeichnungen, gepressten Blättern oder Smileys. Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 haben viele an die alten Menschen gedacht, die damals gar keinen Besuch empfangen durften. Dazu kamen an die 50 Sendungen, die das Haus über die LVZ-Aktion „Briefe gegen die Einsamkeit“ in der Vorweihnachtszeit erhalten hat. In der Post heißt es zum Beispiel: „Seid nicht traurig, bald bekommt Ihr wieder Besuch. Bis dahin erfreut Euch an dem Gebastelten. Passt auf Euch auf und bekommt bitte nicht den bösen Virus.“ Oder: „Ich bin 12 Jahre alt und möchte Dir eine kleine Freude machen. Du bist echt tapfer!“ Oder: „Auch wenn wir Sie nicht persönlich kennen, tut uns Ihre Situation sehr leid und wir würden Ihnen gern ein paar tröstende Zeilen schicken.“

Heimbewohnerin liest mit Betreuerin Grußkarten

Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sei die Freude über die liebevollen Zeilen und Basteleien „riesengroß“ gewesen, so Beschäftigungsleiterin Anja Kunze: „Es tat ihnen gut zu sehen, dass sich jemand in sie hineinversetzen kann und ihnen Mut zuspricht.“ Sie und ihre Kolleginnen vom Betreuungsteam haben die Post sehr gern vorgelesen. Wer im Bett liegen muss, bekam kleine Sterne aus den Briefen an sein Mobile. Ein großer Teil der Grüße wanderte an Pinnwand und Leine, wo er noch eine Weile hängen wird. So können sich die alten Menschen noch immer daran freuen, zum Beispiel Bewohnerin Edeltraud Bürger. „Sie sind so nett geschrieben“, sagt die 94-Jährige, die sogar zurückgeschrieben hat. „Ich habe mich bedankt, denn es ist so schön, dass jemand an uns denkt“, erklärt die rüstige Frau, die nun auf Antwort wartet. Auch wenn sie persönlich glücklicherweise nicht einsam sei, freue sie sich sehr über die Briefe.

Etlichen fehlen aber die Kontakte, weiß Anja Kunze. Einige hätten schlicht keine Angehörigen und manche trauten sich aus Sorge, ihre Lieben anzustecken, noch immer nicht ins Haus. „Wir versuchen dann zu vermitteln“, sagt Anja Kunze. Einige Bewohner seien schon traurig. Sie und ihr Team versuchen das aufzufangen in der Einzelbetreuung – mit Reden, Zuhören und Dingen wie Zeitunglesen, Gedächtnistraining oder Gedichten. Besonders beliebt derzeit: der Schlemmerwagen, mit dem normalerweise am Bett gekocht wird. In diesem Jahr wurde er zum nützlichen Faschingsutensil. Weil eine Party in großer Runde nicht möglich war, schob das Team den mit Luftballons und Karnevalsmützen geschmückten Wagen einfach von Zimmer zu Zimmer. Mit viel Kreativität und Engagement gelang so eine Lockdown-verträgliche Faschingsfeier.