„Ein kleiner Urlaub“ auf dem Pilgerweg: Diakonie-Mitarbeiterinnen radelten von Görlitz nach Bautzen

18.07.2022

Ein paar Kolleginnen sattelten neulich ihre Räder: Gemeinsam mit Tobias Jahn, ihrem Geistlichen Leiter bei der Diakonie Leipziger Land, folgten sie der gelben Muschel auf blauem Grund, dem Zeichen des ökumenischen Pilgerwegs. Bei den Team-Angeboten der Diakonie ist Pilgern schon länger ein beliebter und ganz besonderer Part, bisher beschränkte er sich allerdings auf die klassische Variante zu Fuß. Erstmals ging es nun per Rad auf Tour, neben den eigenen Füßen und dem Pferd ein „erlaubtes“ Fortbewegungsmittel auf dem Pilgerweg. Zwei der Teilnehmerinnen waren bereits per pedes unterwegs und wollen nun gern eine neue Perspektive kennenlernen. Ihr Fazit: Rad-Pilgern geht schneller und ist nicht ganz so plauderfreundlich, aber auf hügeligen, ausgewaschenen Wald- und Feldwegen nicht unbedingt leichter. Statt der Füße und Schultern machen sich andere Stellen bemerkbar.

2 Radpilgerinnen auf dem Feldweg

Auch wenn sich der „Tempo-raus“-Effekt und die sonst so wohltuende Entschleunigung nicht in dem Maß einstellen wie beim Gehen: Die fünf tauchen schnell ein in eine komplett andere Welt und in das einfache Leben aus den Satteltaschen. Dabei entdecken sie das schmucke Görlitz mit seiner enormen Kirchendichte und urigen Pubs. Der Alltag ist weit weg und die Pilgerreisenden freuen sich über Details am Wegesrand, über frisches Wasser in der Trinkflasche, süße Kirschen, Zuckerschoten und herrlich aromatische Wald-Heidelbeeren. Ein Muss sind Stopps in den Dorfkirchen – kühle Oasen der Stille und jahrhundertealte Zeugnisse des Glaubens. Man teilt alles miteinander: Sonnencreme und Müsliriegel, Andachten, Lieder und Geschichten, Ferienlager-Feeling in den Schlafräumen der Herbergen sowie die kurzen Begegnungen mit freundlichen, interessanten Einheimischen und Mitpilgernden.

„Es war eine interessante Erfahrung und Bereicherung, bei der mir neu bewusst geworden ist, wie gut es uns geht“, resümiert Jacqueline Müller, die bei der Diakonie Leipziger Land rund um die Themen Pflege und letzte Lebensphase berät sowie begleitet. Dabei habe sie also immer mit „Krankheit und Sterben“ zu tun, umso wichtiger sei die Chance, beim Pilgern aufzutanken: „Es war wie ein kleiner Urlaub.“

In Europa gibt es ein ganzes Netz von Jakobswegen. Der ökumenische Pilgerweg – einer der Zweige, die durch Sachsen führen – verläuft entlang der mittelalterlichen Handelsstraße Via Regia von Görlitz über Sachsen-Anhalt bis Vacha (Thüringen). Das Ziel aller Jakobswege ist das Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela – seit rund 1000 Jahren ein beliebtes Pilgerziel.