„Ich hüte die Decke wie meinen Augapfel“: Regis-Breitinger Altenpflegeheim freut sich über besonderes Geschenk

10.02.2020

Burgunde Heinze hat die Stiche nicht gezählt, aber es müssen tausende sein. Mehr als drei Monate hat sie jeden Abend an einer neuen Altardecke gestickt. Jetzt ist das edle Tuch fertig und ziert den Altar im Altenpflegeheim „St. Barbara“ in Regis-Breitingen. „Wir freuen uns sehr über diese hübsche Decke, nachdem wir viele Jahre nichts Schönes auf unserem Altar hatten“, sagt Petra Mohr, die die Einrichtung der Diakonie Leipziger Land leitet. Über ihre Fachbereichsleiterin Kathrin Beyer und die Kirchgemeinde kam der Kontakt zu Burgunde Heinze in Oelzschau zustande. Letztere hatte in ihrem Handarbeitszirkel die Hardanger-Stickerei entdeckt: eine Technik mit geometrischen Mustern, die ihren Ursprung am Hardanger-Fjord in Norwegen hat. Speziell ist dabei auch, dass am Schluss mit einer ganz feinen Schere die Flächen zwischen den umstickten Rändern ausgeschnitten werden. Bei der Altardecke sind es mehr als 1800 Kästchen, die die geschickte Handarbeitsfreundin in mühe- und liebevoller Kleinarbeit freigelegt hat.

Pfarrerin und Heimleiterin stehen am Altar mit neuer Decke

Die Frage der Finanzierung des Altardecken-Projekts war schnell geklärt. Die Tochter eines Bewohners, der im „St. Barbara“ die letzten Wochen seines Lebens verbrachte und sich sehr wohlfühlte, wollte dem Haus etwas Gutes tun und sich beim engagierten Team von Herzen bedanken. Aber womit? Ein Präsentkorb ist schnell leer und Blumen verwelken. Da kam der Frau, die ihren Namen nicht genannt haben möchte, die Altardecke sehr gelegen. Schließlich können sich Bewohner und Pfleger an dieser Spende sehr lange erfreuen.

„Ich hüte die Decke wie meinen Augapfel“, sagt Petra Mohr. Das gute Stück hat einen Ehrenplatz auf dem Altar, der nur zu den Gottesdiensten aufgebaut wird. Diese feiert die Gemeinde regelmäßig einmal monatlich im „St. Barbara“. Eine Mutter mit Kind kommt dazu sehr gern ins Altenpflegeheim – hier sei es so schön kinderfreundlich mit der Spieleecke und dem Aquarium. Petra Mohr öffnet Türen, damit man die Glocken hören kann, Kantor Thomas Weber spielt am Klavier – und den Altar schmückt neuerdings sehr passend eine besondere Decke. Auch Pfarrerin Ulrike Franke freut sich sehr darüber. „Das ist nicht nur irgendein Tisch, sondern ein besonderer Ort“, sagt sie. Die Bewohner könnten nicht mehr in die Kirche gehen, also komme die Kirche zu ihnen – sogar mit einem richtigen Altar.