E-Paper Ausgabe der Leipziger Volkszeitung
Datum: 26.05.2011

In "Familienrunde" im Garten der Wohnstätte:
Leiterin Ute Blau (h.r.) und Betreuerin Karin Vettermann (hinten) im Plausch mit Bewohnern. Foto: Silke Hoffmann
Seit 15 Jahren eine große "Hohnstädter Familie"
Bewohner des Marie-Louise-Heimes der Diakonie feierten Frühlingsfest und wagten sich auch auf den Pferderücken
Grimma/Hohnstädt. Sie leben wie eine große normale Familie. Die 25 Bewohner des Marie-Louise-Heimes der Diakonie Leipziger Land in der Hohnstädter Schillerstraße und ihre zehn Betreuer bzw. Betreuerinnen. In der sozialtherapeutischen Wohnstätte gibt es eigentlich einen ganz normalen Tagesablauf. Man geht einkaufen, bereitet selbst die Mahlzeiten vor, deckt den Tisch, wäscht auf, putzt die Räume, backt Kuchen. Nachmittags kann man Sport treiben, Musik hören, kreative Dinge tun, spazieren gehen und vieles mehr.
Höhepunkte, an die sich die Bewohner gern erinnern, gibt es viele. Frühlings-, Sommer- und Herbstfeste, Geburtstagsrunden oder Urlaubsfahrten. Kürzlich erst beim Frühlingsfest. Ein Spaziergang durch den Seume-Park führte zum Reit- und Fahrverein Grimma an den Böhlschen Wiesen. Auf der Pferdekoppel angekommen, erwarteten Freimut Zuhl und andere Vereinsmitglieder die Besucher. Die Pferde waren schon gestriegelt und gesattelt, so dass gleich aufgesessen werden konnte. "Die ersten Mutigen waren gefunden", erzählt Monique Nachreiner von der Diakonie, "und so mancher, der sich's erst nicht wagte, bekam dann doch Lust aufs Reiten." Sogar eine Leiter sei zur Hilfe geholt worden, und man bedanke sich sehr bei den Mitgliedern des Grimmaer Reit- und Fahrvereins für diesen schönen Tag.
15 Jahre besteht in diesem Jahr die Hohnstädter Einrichtung, in der chronisch psychisch kranke Menschen betreut werden. Leiterin Ute Blau und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen geben ihr Möglichstes, um die Bewohner wieder auf ein Leben ohne die "Hohnstädter Familie" vorzubereiten. "Die hier bei uns oder in der Außenwohngruppe am Bockenberg (dort sind weitere zwölf Bewohner in zwei Wohngruppen - d. Red.) leben, sind nicht geistig behindert, sondern durch bestimmte Umstände psychisch krank geworden", sagt sie. Das Ziel sei die Wiedereingliederung in ein normales selbstbestimmtes Leben. Darauf sei auch die gesamte Betreuung ausgerichtet. Auf ein mögliches Berufsleben bereite man die Männer und Frauen zum Beispiel darauf vor, dass sie in die AWO-Werkstatt in Hohnstädt arbeiten gingen oder andere Tätigkeiten verrichteten. "Ja, es gibt Bewohner, die schon sehr lange, von Anfang an, hier sind", sagt Ute Blau. Doch nicht selten würden Männer und Frauen besonders aus der Außenwohngruppe ins ambulant betreute Wohnen überwechseln und dann schließlich auch wieder ihren Weg in ein eigenes Leben finden.
Silke Hoffmann