Diakonisches Werk im Kirchenbezirk Leipziger Land e.V.
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Leipziger Land.
E-Paper Ausgabe der Leipziger Volkszeitung
Datum: 15.07.2011
Bislang kaum ein Bufdi
Am Monatsbeginn ist an die Stelle des Zivildienstes der Bundesfreiwilligendienst getreten / Skepsis in der Region
Borna. Der Zivi ist Geschichte, es lebe der Bufdi: Seit Monatsbeginn müssen sich Wohlfahrtsverbände, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten, Jugendherbergen, Sportvereine und andere mehr umstellen. An die Stelle des Zivildienstes ist der Bundesfreiwilligendienst (BFD) getreten. Der ändert manches. Vor allem aber: Die Zahl der Bewerber ist, im Augenblick jedenfalls, eher gering in der Region.
Von Ekkehard Schulreich
"Wir sind, offen gesagt, skeptisch, dass sich dieser Freiwilligendienst so einbürgern wird wie der Zivildienst", sagt Joachim Neuenfeld, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Geithain. Bisher habe man erfolgreich und intensiv mit Zivis gearbeitet. In den Wohnstätten für Behinderte in Kohren-Sahlis, in der Geithainer Werkstatt, vor allem aber im Fahrdienst seien im Schnitt acht bis zehn junge Leute zeitgleich im Einsatz gewesen. Inzwischen sattele man zum Teil auf geringfügig Beschäftigte um. Dadurch ließen sich aber weniger Stunden als bisher eindecken, und die Flexibilität sei nicht mehr so gegeben, bedauert Neuenfeld. Über den Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes laufe jetzt die Werbung für den Bundesfreiwilligendienst an; bisher habe man in Geithain aber Null Interessenten.
"Grundsätzlich finden wir es gut, dass aus dem Pflicht- ein Freiwilligendienst wird", sagt Harald Bieling, Geschäftsführer der Diakonie Leipziger Land. Das werte das ehrenamtliche Engagement auf. Bisher habe die Diakonie nur eine Zivi-Stelle unterhalten, in der Sozialstation Muldental in Grimma. "Eine Lücke entsteht bei uns deshalb nicht", so Bieling. Man wolle aber gern in stärkerem Maße über den neuen Dienst in verschiedenen Bereichen Helfer einsetzen, auch in Kindertagesstätten, wo es inzwischen Interessenten gebe. Wer sich dafür interessiere, sei in den Freiwilligen-Zentralen, die die Diakonie in Borna, Grimma, Wurzen, Naunhof und Markkleeberg unterhalte, an der richtigen Adresse.
"Genaue Zahlen, wie viele Bewerber in welchen Einsatzbereichen tätig sind, können wir im Moment leider nicht liefern", sagt Alexander Kotte vom Kampagnebüro Bundesfreiwilligendienst in Berlin auf LVZ-Nachfrage. Bei einem kürzlichen Regionaltreffen in Leipzig habe man den neuen Dienst ausführlich vorstellen können und bei Trägern eine gute Resonanz verzeichnet. Was die Sache vereinfache, so Kotte: "Alle anerkannten ehemaligen Zivildienststellen gelten automatisch als BFD-Stellen." Ob Sport oder Umweltschutz, ob sozialer Bereich, Bildung oder Kultur, es gebe eine Menge attraktiver Einsatzfelder. Der neue Dienst sei vor allem für junge Leute, die vor dem Einstieg ins Berufsleben stünden, "eine wichtige Phase der persönlichen Orientierung".
Das kann Silvia Steinbach zumindest für den Zivildienst nur bestätigen. "Wir haben in den vergangenen Jahren gern mit diesen jungen Leuten gearbeitet, und die Erfahrungen waren überwiegend positiv", sagt die Leiterin der DJH-Jugendherberge im Bad Lausicker Ortsteil Buchheim. Sie würde gern in der Zukunft etwas Adäquates haben. Erste Anfragen gebe es bereits, doch müssten mit dem Landesverband noch einige rechtliche Fragen geklärt werden.
Junge Menschen in die Betreuung und Pflege einzubeziehen, das sei eine schöne Sache, sagt Gabriele Filipowitsch, die das Geithainer Seniorenheim Am Stadtpark leitet. Ende der neunziger Jahre habe man auf Zivis zurückgegriffen, später aber in Pflege, Hauswirtschaft und Küche auf das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) gesetzt: "Und das klappt wunderbar." Wegen des Bundesfreiwilligendienstes habe noch niemand nachgefragt, so Filipowitsch. Ob nun dieser Dienst oder FSJ, in der Zukunft könnte es ohnehin schwieriger werden, genügend junge Leute zu binden: "Jetzt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge. Darauf müssen wir uns einstellen."
© Seite 18 / Standpunkt
Informationen zum Bundesfreiwilligendienst:
www.bundesfreiwilligendienst.de
oder die Hotline 0221/36730. Ansprechpartnerin in der Region Leipzig ist Anke Liebezeit: 0341/2419138.
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