E-Paper Ausgabe der Leipziger Volkszeitung
Datum: 31.08.2011
Ein Glas Sekt in Ehren: Harald Bieling und Serena Rüssel stoßen mit Ilse Hoffmann auf das Jubiläum an.
Foto: Roger Dietze
Pfarrer Behr: Die Arbeit hier ist schön, aber auch schwer
Festgottesdienst zum zehnjährigen Bestehen des Diakonie-Altenpflegeheims "Hedwig Bergsträßer"
Grimma. Am Anfang stand eine technische Panne. "Während des Umzuges versagte der Fahrstuhl, so dass wir viele Dinge durch das Treppenhaus in die Obergeschosse tragen mussten", erinnert sich Ilse Hoffmann an jenen Tag, der gestern im Diakonie-Altenpflegeheim "Hedwig Bergsträßer" den Anlass für einen Festgottesdienst und eine kleine Feierstunde gab. Denn an jenem 20. Juni 2001 zog die Betreuungseinrichtung von ihrem angestammten Platz am Bockenberg an den Wallgraben um, und die rüstige Seniorin ist eine von noch zwei Bewohnerinnen, die seit der ersten Stunde im neuen Quartier zu Hause sind. Und die nur 14 Monate später die über den Neubau hereinbrechende Mulde hautnah miterlebten.
"Die Wasserflut kam über uns mit einer ebenso ungeahnten Dimension wie die darauf folgende Spendenflut", erinnerte sich Pflegeheim-Leiterin Serena Rüssel an jene dramatischen Stunden, als alle Bewohner in das zweite Obergeschoss evakuiert wurden, weil man glaubte, selbst im ersten nicht sicher zu sein. "In den Tagen nach der Katastrophe gingen im Haus Dinge, die in normalen Zeiten nicht gehen", lobte Diakonie-Geschäftsführer Harald Bieling die Leistungen seiner Mitarbeiterinnen während des Hochwassers.
Leistungen ganz anderer Art werden von den Pflegekräften und Betreuern im Alltag mit den alten und pflegebedürftigen Menschen abverlangt. "Die Arbeit in einem solchen Haus ist schön, aber sie ist auch schwer", würdigte Pfarrer Christian Behr, der gemeinsam mit seinem Großpösnaer Pfarrer-Kollegen Dietmar Könitz den Gottesdienst hielt. Der war Behr nach dem Hochwasser zur Seite gesprungen und hält seitdem dem Pflegeheim die Treue."Insbesondere dann, wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass sie die Last ihres seelischen wie körperlichen Einsatzes für die Bewohner zu erdrücken droht, mag ihnen der Glauben dabei helfen, sich Luft zu verschaffen", sagte der Pfarrer Behr, der bereits die Bewohner der Vorgängereinrichtung am Bockenberg seelsorgerisch betreut hatte. "Ich denke, dass die Kommunikation am alten Standort vielleicht etwas einfacher und die Zusammenarbeit ein Stück gemütlicher war, das neue Haus aber insgesamt bessere Arbeits- und Lebensbedingungen bietet."
Roger Dietze